Schöllgens ZAG wird in DER ZEIT kritisiert

Prof. Dr. Schöllgen, Lehrstuhlinhaber im Institut für Geschichte der FAU wird in einem ZEIT-Artikel relativ scharf kritisiert. Sein Zentrum für angewandte Geschichte (ZAG), sei keine echte, unabhängige Forschungseinrichtung, sondern liefere unwissenschaftliche, Auftrags-„Festschriften“ an Unternehmen, die im Gegenzug für ihr Geld einen wohlwollenden Umgang mit ihrer Unternehmensgeschichte erwarten.

In diesem Zusammenhang lesenswert:

Schöllgens Rede zum Dies Academicus 2007

die Erwiderung des damaligen Dekans Kulenkampff nach dieser Rede

2 Antworten auf „Schöllgens ZAG wird in DER ZEIT kritisiert“

  1. Der Artikel in der Zeit ebenso wie die beiden unteren Links vermischen aber zwei verschiedene Thematiken:

    Die erste ist, dass Schöllgen nach den ersten Absätzen im Zeit-Artikel im weiteren Artikelverlauf vorgeworfen wird, er nehme es insbesondere mit der Aufklärung der Nazi-Zeit in seinen Arbeiten für und über Firmen nicht so genau. Dazu sage ich nichts weiter, wenns so ist ist es eine Sauerei, aber ich hätte gerne mal seine Arbeiten angeschaut bevor ich dazu was sage. Deshalb hat auch meiner Meinung nach der Zeit-Artikel nur marginal etwas mit den beiden hier unten verlinkten PDFs Rede und Erwiderung zu tun, die Zeit hat zwar einen ähnlichen Themenbereich als Aufreisser, schreibt aber grösstenteils über die Nazi-Thematik.

    Das zweite ist die, die ich kommentieren möchte: Schöllgen thematisiert die Rechtfertigung für die Existenz und Finanzierung der Geisteswissenschaften. Interessant finde ich dabei, dass hier keineswegs eine ordentliche Auseinandersetzung mit Argumenten stattfindet. Der Zeit-Artikel erwidert auf die marktwirtschaftliche Argumentation Schöllgens mit der am Nazi-Beispiel festgemachten mangelnden Unabhängigkeit derartiger Arbeiten. Dekan Kulenkampff argumentiert ähnlich indem er wirtschaftlichen Erfolg als schlechten Indikator für wissenschaftliche Qualität bezeichnet. Somit mag man die marktwirtschaftliche Argumentation als entkräftet annehmen.

    Doch was ist denn dann bitte die Rechtfertigung, die die Geisteswissenschaften haben? „Wir müssten viele Institute zusperren“ oder „Geisteswissenschaften sind um ihrer selbst Willen gerechtfertigt“ können ja wohl nicht alles sein, oder doch?

  2. @Frosch
    Es ist richtig, dass hier 2 Dinge vermischt werden – fand aber (wie du anscheinend auch) den Punkt „Rechtfertigung der Geisteswissenschaften an sich“ spannender.

    Ansonsten finde ich aber schon dass Kulenkampff zumindest ansatzweise eine Antwort auf deine Frage geliefert hat:
    „Ob wir eine Sache oder einen Zusammenhang neu und besser verstehen, ob unbekannte geistige Territorien erschlossen werden und ob sich ein wissenschaftlicher Beitrag als weiterführend und fruchtbar erweist, – das sind Qualitätskriterien.“ und „Die
    Geisteswissenschaften liefern daher auch nicht Orientierung, wohl aber liefern sie all
    das unendlich vielfältige und verzweigte Wissen, das für all jene Prozesse der
    Selbstaufklärung und Verständigung über sich selbst notwendig ist, in denen sich
    vernünftige Orientierung bildet.“

    Simpler ausgedrückt: Geisteswissenschaften dienen dazu, dass wir die (Um-)Welt besser verstehen, eine gemeinsame Form des Diskurses finden und Ziele definieren können wie eine (bessere) Welt aussehen könnte.

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