Pressemitteilung: Corona-Krise an der FAU aus Sicht der Studierendenschaft

Die Corona-Krise betrifft alle Teile der Gesellschaft in unterschiedlichster Art und Weise. Neben den allgemeinen Beschwerden gibt es aber auch speziellere Probleme im studentischen Alltag. Die Studierendenvertretung (Stuve) der FAU, die knapp 40.000 Studierende vertritt, hat in den vergangenen Wochen genau hingehört und alle Fragen und Sorgen der Studierenden gesammelt. Hierfür wurde ein extra Kummerkasten auf der Website der Stuve [1] eingerichtet um die schnelle, direkte Kommunikation zu erleichtern. Die Sprecher*innen wissen deshalb genau in welcher prekären Situationen sich einige befinden. 

Wie alle anderen dürfen selbstverständlich Studierende auch nicht ohne gute Gründe die Wohnungen verlassen. Die Meisten wohnen allerdings alleine, in engen Wohnheimen oder kleinen Wohngemeinschaften. Die Wohnsituationen verstärkt hier den psychologischen Druck der Situation. Die Möglichkeit zu den eigenen Eltern auszuweichen, haben auch bei Weitem nicht alle, weil große Entfernungen oder ein Job sie in Erlangen halten. „Weite Strecken mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren erhöht natürlich das Ansteckungsrisiko, was einige Studis mit Rücksicht auf ihre Familie nicht riskieren wollten“, betont Selim Kücükkaya aus dem Sprecher*innenrat der Stuve. „Ein eigenes Auto können sich nur die wenigsten leisten, weshalb viele eben an ihre Zimmer in Erlangen gebunden sind“.  

Dabei kann sich glücklich schätzen, wer noch Geld verdient, denn die allseits bekannte Krise der Gastronomie, des Einzelhandels sowie anderer Wirtschaftszweige betrifft ausgesprochen viele Mini-Jobber. Letztere sind in Erlangen häufig Studierende. „In den letzten Wochen haben sich sehr viele Studierende bei uns gemeldet, weil ihre Einkommen weggebrochen ist. Viele befinden sich jetzt in einer dramatischen finanziellen Situation und sind sie auf der Suche nach Möglichkeiten, ihre Rechnungen zu bezahlen“. Es hat eine Weile gedauert bis reagiert wurde aber mittlerweile gibt es einige Angebote von Seiten der FAU, aber auch von Seiten der Stadt, die finanzielle Hilfe für diese Studierenden bereitstellen. „Ob die momentanen Angebote ausreichen müssen die nächsten Wochen zeigen. Dafür sind wir im regelmäßigen Kontakt mit allen Beteiligten und begleiten die Entwicklungen ganz genau“, unterstreicht Selim.  

Dies allerdings sind Sorgen, die weite Teile der Erlanger und weltweiten Bevölkerung teilen können. Was die Studierenden aber besonders trifft, sind die Verzögerungen beim Abschluss ihres Studiums. Ein großer Anteil der Prüfungsleistungen des vergangenen Semesters konnte aufgrund der Krise nicht abgelegt werden. Darüber hinaus macht die verpflichtende Schließung der Bibliotheken notwendige Recherchen für Haus- und Abschlussarbeiten weitgehend unmöglich. Dass das kommende Semester reibungslos studierbar sein wird, ist aufgrund der Intensität der Krise zumindest fraglich. „Die ersten Tage dieses Semesters zeigen, dass die digitale Lehre in diesem Umfang zwar eine große Herausforderung für alle Lehrende und Studierende ist, so war die Hauptwebsite für digitale Lehre an der FAU „StudOn“ am Montag immer mal wieder nicht erreichbar, aber mittlerweile hören wir nichts mehr von diesem Problem. Die digitale Lehre läuft weitgehend reibungslos und die meisten Studierenden sind fleißig mit Lernen beschäftigt“. Auch die Bibliotheken sind dabei, langsam wieder bestimmte Dienste wie die Ausleihe von Büchern zu starten. Selbstverständlich unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. Sicher ist auf alle Fälle, dass sich das Semester verlängert. Sollten aber die Ausgangssperre und das Kontaktverbot länger anhalten, können bestimmte Lehrveranstaltungen, wie z.B. Praktika im Labor und Seminare, im kommenden Semester weiterhin nicht angeboten werden.  

Die Mischung aus diesen Faktoren bringt viele Finanz- und Studienpläne zu Fall. Es besteht große Unsicherheit über die eigene Zukunft. Große akademische Chancen, etwa Aufenthalte an renommierten ausländischen Universitäten werden gestrichen. Aus dem Praktikum in Harvard mit Stipendium werden Monate voller Sorgen und ohne Geld auf den eigenen neun Quadratmetern. 

Die Aktiven der Stuve sind nun besonders gefragt. Unentwegt setzen sie sich für die Interessen ihrer Kommilitonen ein. „Wir haben die Frequenz unserer Sitzungen mehr als verdreifacht, einen offiziellen Kummerkasten eingerichtet und halten regelmäßige ‚Corona-Foren‘ mit interessierten Studierenden ab. Wir stehen, wie immer, in engem Kontakt mit der Universitätsleitung und -verwaltung. Außerdem stellen wir ein Mitglied im Krisenstab der Universität und sind dadurch noch einmal direkter eingebunden. Der Konvent – quasi das studentische Parlament an der FAU – unterstützt offiziell zwei Kampagnen bzw. Forderungen: zum einen die Forderung nach finanzieller Unterstützung von in Not geratenen Studierenden mit bis zu 3000 Euro Soforthilfe. Zum anderen die Kampagne „Leave-no-one-behind“, weil wir auch in Krisenzeiten Solidarität und Menschlichkeit zeigen müssen und dabei niemanden vergessen dürfenberichtet Johannes Dietz, Vorsitzender des Konvents und Mitglied des Sprecher*innenrats.[2][3]

Dass die Studierenden die Corona-Krise nicht nur als Hindernis, sondern auch als Chance sehen, zeigte sich am vergangenen Dienstag. Normalerweise findet zum Start jedes Semester die Feier „TechFak goes Downtown“ im E-Werk statt. So auch am Dienstag. Nur dieses Mal anstatt in vollen Räumen mit feiernden jungen Menschen, digital per Livestream im Wohnzimmer der WG. Zwischenzeitlich sind mindestens 450 Menschen gleichzeitig dem Livestream von „TechFak streams Downtown“ gefolgt. Über die sozialen Medien haben die Zuschauer*innen gleichzeitig gezeigt, wie sie zuhause feiern. „Neben der Lehre müssen wir auch das kulturelle Leben der Studierenden in den nächsten Monaten mehr ins Internet zu verlagern. Dass das funktioniert haben unsere Kommiliton*innen bereits gezeigt“, resümiert Selim Kücükkaya.“Es sind sogar schon weitere digitale Großveranstaltungen von und für Studierende in den nächsten Wochen geplant“, fügt Johannes Dietz mit einem positiven Blick in die nächsten Wochen hinzu.

Bei allgemeinen Rückfragen können Sie sich auch jederzeit an den gesamten Sprecher*innenrat der Stuve wenden unter stuve-sprat@fau.de.

  Links:
[1]: https://stuve.fau.de/corona/corona-kummerkasten/
[2]: https://studi-soforthilfe-corona.org/
[3]: https://leavenoonebehind2020.org/